Panorama

Von der Flüchtlingsunterkunft an den Laptop

Sprachkurs für geflüchtete Frauen mit Kinderbetreuung
© Nola Bunke04.05.2018: Für viele Frauen, die als Flüchtlinge nach Deutschland kommen, ist die Sprache eine große Hürde. Sie sind in der Familie fast ausschließlich für die Kinderbetreuung und den Haushalt verantwortlich, Sprachkurse werden überwiegend von Männern belegt.

Über das Projekt „Einstieg Deutsch“ vom Deutschen Volkshochschulverband hat die Kreisvolkshochschule im Landkreis Harburg einen Sprachkurs speziell für Frauen mit begleitender Kinderbetreuung angeboten, in Kooperation mit der Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe und den Bildungskoordinatoren des Landkreises.. „Mit Hilfe sehr engagierter Ehrenamtlicher wurden potenzielle Teilnehmerinnen dafür sensibilisiert und die Kinderbetreuung durch vorhandenes Fachpersonal abgedeckt. Weiterhin stellte uns die Freie Evangelische Gemeinde in Hanstedt zwei Räume zur Verfügung“, berichtet Manja Hähnel, Projektkoordinatorin bei der Volkshochschule.

Zunächst fand eine erste Informationsveranstaltung statt, auf der sich die Dozentin Heide Gerszewski und die pädagogischen Fachkräfte vorstellten. Dabei konnten sich die Frauen selbst, aber auch ihre Ehemänner ein Bild der Kursgestaltung machen. Dann begann der Kurs mit 14 Frauen, die engagiert dreimal wöchentlich lernten. Zehn Kinder wurden parallel zu den Kurszeiten betreut.

Das Besondere des Kurses: Die Frauen lernten die Sprache nicht nur klassisch mit Buch und Tafel, sondern auch mit Hilfe eines Laptops über ein Online-Lernportal. Da viele von ihnen bisher noch nie an einem Computer gearbeitet hatten, profitierten sie gleich doppelt von dem Angebot: Neben der Sprache konnten sie das Arbeiten an einem Computer erlernen. “Die Frauen waren so begeistert, einige wollten sich direkt gleich einen PC für zu Hause besorgen“, erklärt Heide Gerszewski.

Um den Frauen perspektivisch die Möglichkeit eines Berufseinstiegs aufzuzeigen, wurden während des Kurses zwei Exkursionen unternommen. Unter anderem informierte die Koordinierungsstelle „Frau & Wirtschaft“ des Landkreis Harburg über Berufsmöglichkeiten und organisierte den Besuch eines Pflegeheims.

Nach vier Monaten nahmen sieben Frauen an der A1 Prüfung teil – alle mit Erfolg. Besonders beeindruckend war dabei die Geschichte einer Teilnehmerin, die im Oktober ein Kind auf die Welt brachte und dennoch in Dezember erfolgreich die Prüfung absolvierte.

© Nola BunkeSeit kurzem steht nun fest, dass die Frauen weiter Deutschlernen können. Projektkoordinatorin Hähnel freut sich mit den Frauen, dass eine Folgemaßnahme ab Mitte April begonnen hat: „Über Landesmittel können wir einen Fortgeschrittenen Kurs mit ähnlichem Aufbau anbieten. In 10 Unterrichtseinheiten pro Woche lernen die Frauen noch besser die deutsche Sprache und Kultur. Eine begleitende Kinderbetreuung wird wieder realisiert. Das ist ein toller Erfolg, und die Frauen sind schon sehr gespannt auf die nächste Herausforderung.“