Panorama

Praxis: iwdl.de als kurstragendes Lehrwerk im Integrationskurs

31.03.2017: Ein Interview mit Claudia Bolsinger (Programmverantwortliche für Deutsch als Zweitsprache) und Jörg Peters (Kursleiter für Deutsch als Zweitsprache) von der VHS Wedel
VHS-Mitarbeiterinnen aus dem Integrations-/DaZ-Bereich VHS Wedel

Die VHS Wedel war eine der ersten Standorte für die Erprobung von iwdl.de als kurstragendem Lehrwerk im Integrationskurs. Woher kam die Bereitschaft, hier mitzumachen?

Claudia Bolsinger: Jörg und ich sind beide Dozenten im Rahmen der Schulungen zur Arbeit mit der Lernplattform, deshalb kannten wir sie schon ziemlich gut. Wir stehen dem Einsatz von digitalen Medien im Deutschunterricht grundsätzlich positiv gegenüber und bedauern die oft mangelnde Bereitschaft vieler Kursleiter. Die Teilnehmer sind da oft schon einige Schritte weiter und gehen mit diesen Medien ziemlich souverän um. Wir wussten im Hinblick auf die Lernplattform also schon, auf was wir uns da einlassen …

Welche Hürden mussten aus dem Weg geräumt werden?

Claudia Bolsinger: Interessanterweise gibt es erstaunlich wenig Hürden, wenn der Kursleiter bereit ist und über das nötige Knowhow verfügt – was Jörg ja tat – und wenn die technischen Gegebenheiten vor Ort ausreichend sind. Das waren sie, denn wir verfügen glücklicherweise über einen modernen PC-Raum mit 16 Plätzen. Das Entwicklerteam der Lernplattform hat es aber mit einer einfachen Übersicht über die technischen Anforderungen leicht gemacht… Schwierigkeiten im Laufe des Kurses waren dann die üblichen: Der PC-Raum war eine Woche von einem Bildungsurlaub belegt, an einigen Tagen fiel das WLAN aus… Aber das waren alles keine Katastrophen, die Klasse hat das ohne Murren akzeptiert… Der Bus kommt ja auch manchmal zu spät (lächelt).

Wie lief es? Welche Erfahrungen habt ihr in der Erprobung gemacht? Was war schwierig? Was war gut?

Jörg Peters: Die Erprobung verlief reibungslos, denn die grundsätzlichen Bedingungen waren in Ordnung und das Lehrwerk „iwdl.de“ selbst ist sehr gut. Außerdem war die Motivation der Teilnehmerinnen und Teilnehmer super. Schwierigkeiten ergaben sich höchstens dann, wenn der Lernstoff schwer war. Dann musste das Lehrwerk stärker adaptiert werden. Hin und wieder gab es auch Probleme mit der Aufgabenstellung einzelner Übungen, doch diese konnten durch entsprechende Erklärungen und Hinweise schnell gelöst werden.
Als sehr gut empfanden wir die realistischen Episoden der Web-Soap, die in die jeweilige Thematik einführten, und die Vielfalt der Übungen, welche übungstypologisch alles für ein erfolgreiches Lernen boten.

In welcher Weise habt ihr das Lernportal in den Unterricht eingebunden?

Jörg Peters: Ich muss zugeben, dass ich zuerst in der Unterrichtspraxis doch ziemlich fixiert auf die zusätzlichen Materialien war, die in einem DaF-Lehrwerk, einer Übungsgrammatik und Arbeitsblättern bestanden. Ich versuchte, den Lernstoff schon vor dem Arbeiten mit dem Lernportal weitestgehend erklärt zu haben und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vorab ein wenig üben zu lassen, bevor es an die Computer ging. Mit der Zeit und den Erfahrungen, die ich im Laufe der Erprobung sammeln konnte, bin ich dann sicherer und flexibler geworden und verließ mich mehr auf das Portal und seine Inhalte. Wir kamen dann mit immer weniger Kopien aus.

Wie war der Eindruck bei den Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern?

Jörg Peters: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren von dem Portal begeistert. Das haben sie auch in einer kursinternen Evaluation zum Ausdruck gebracht. Nur drei von 16 Personen hatten überhaupt etwas kritisch anzumerken gehabt und die Kritik richtete sich dann auch eher gegen einzelne Übungen.

Wurde das Portal auch zuhause genutzt? Wurde es zur Tutorierung genutzt?

Jörg Peters: Ja, das Portal nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch zu Hause. Sie sollten es sogar, da ich ihnen regelmäßig Aufgaben aus dem Portal als Hausaufgabe gegeben habe. Die Korrektur der Hausaufgabe, wenn es sich um offene Aufgaben handelte, oblag mir, und die Lernfortschritte habe ich als Tutor auch beobachtet.

Was bleibt von der Erprobung? Hat sich der Aufwand gelohnt?

Claudia Bolsinger: Der Aufwand hat sich gelohnt: Die Prüfungsergebnisse der Probandenklasse waren überdurchschnittlich hoch. Darüber haben wir uns wirklich gefreut! Es war auch spannend, an einem solchen Projekt teilzunehmen und damit auch ein klein wenig Vorreiter zu sein!

Jörg Peters: Auch für mich hat sich der Aufwand gelohnt, der insgesamt ein kleines bisschen höher war als der, mit einem neuen Lehrwerk konventioneller Art zu arbeiten. Das machte aber nichts, denn Ziel eines modernen Fremdsprachenunterrichts ist es schließlich, möglichst erfolgreich zu lernen bzw. ein solches Lernen zu initiieren, und das Gesamtkonzept von „iwdl.de“ ist dafür bestens geeignet. Ich kann nur jedem Lernenden und Lehrenden empfehlen, es einmal auszuprobieren. Es lohnt sich!

aus: dis.kurs 01/2017 – Das Magazin des Deutschen Volkshochschul-Verbands e.V.