Panorama

Kursleitende mit Migrations­­­hintergrund – eine Bereicherung für die Volks­­­hoch­­­schulen

Pilotprojekt fördert Vielfalt an Thüringer Bildungseinrichtungen
21.06.2018: Gesellschaftliche Teilhabe wird durch berufliche Integration unterstützt. Oft jedoch haben Menschen mit Migrationshintergrund einen erschwerten Zugang zum Arbeitsmarkt oder Schwierigkeiten mit der Anerkennung von Berufs- und Hochschulabschlüssen, obwohl sie über vielfältige Kompetenzen und Berufserfahrung verfügen. Um sie bei der Integration in den Arbeitsmarkt zu unterstützen, hat der Thüringer Volkshochschulverband e.V. im Jahr 2017 das Pilotprojekt „Vom Nebeneinander zum Miteinander – Migranten als Kursleiter/-innen“ auf den Weg gebracht.

Einblick in die Praxis

Im Rahmen des Projektes wurden an den Thüringer Volkshochschulen in Deutschkursen Teilnehmerinnen und Teilnehmer identifiziert, die sich für eine Kursleitertätigkeit an Volkshochschulen interessieren und eignen. Für deren Ansprache entwickelte der Thüringer Volkshochschulverband Flyer, eine Webseite, eine Facebook-Anzeige und mehrere Videoteaser. Letztere zeigen anhand von Szenen aus dem Kursalltag sowie Aussagen von Kursleitenden und Teilnehmenden, wie Menschen unterschiedlicher Nationalitäten mit ihren Kenntnissen das Programm der Volkshochschule bereichern. So wird eine Kursleiterin aus Indonesien vorgestellt, die in Kochkursen die Küche ihrer Heimat näherbringt, oder eine Kunstlehrerin aus Russland, die ihr Können an der Volkshochschule an Interessierte weitergibt. Der Leiter eines Schwedisch-Kurses lehrt nicht nur seine Muttersprache, sondern verbessert dabei auch seine eigenen Deutschkenntnisse.
Mit Testimonials auf dem eigenen YouTube-Kanal wirbt der Thüringische Landesverband Kurs­leitende mit Migrationshintergrund.

„Vor 10 Jahren kam ich nach Deutschland. Jahrelang konnte ich nicht meinem Beruf nach­gehen, aber dann habe ich erfahren, dass ich meine Kenntnisse auch als Kursleiterin an der VHS an andere weitergeben kann. Und nun bin ich schon seit vier Jahren als Kursleiterin für Mal- und Zeichenkurse an der Volkshochschule tätig.“

Zoya Goletz, Kursleiterin an der Volkshochschule.

Potenziale erkennen

Vor Ort beraten die beteiligten Volkshochschulen intensiv die künftigen Kursleitenden. Mit einer Ana­lyse ihrer Potenziale erkennen die Migrantinnen und Migranten ihre Stärken und entwickeln gemeinsam mit der Volkshochschule Ideen für mögliche eigene Kursangebote. Das Projektvorhaben sieht darüber hinaus eine Reihe von Fortbildungen vor, um den angehenden Kursleitenden die Orientierung in der deutschen VHS-Landschaft zu erleichtern und sie auch methodisch bei der Vermittlung ihres Wissens zu unterstützen. Wichtig ist dabei, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vor allem auch sprachlich entgegen zu kommen. An einem ersten Modul im Dezember 2017 nahmen 16 potenzielle Kursleiterinnen und Kursleiter unterschiedlicher Herkunft teil.
Mit mehrsprachigen Anzeigen und Videospots wurde im Rah­men des Projektes um neue Kursleitungen geworben.
In Vorbereitung auf die Veranstaltung hospitierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in VHS-Kursen. Bei der Vor- und Nachbereitung der Hospitation wurden sie von einer Mentorin unterstützt. In der Qualifizierung machten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus acht Ländern gemeinsam mit dem Dozenten Prof. Erich Schäfer von der Ernst-Abbe-Hochschule Jena unter anderem mit der Einrichtung Volkshochschule vertraut und setzten sich mit didaktisch-methodischen Prinzipien der Erwachsenenbildung auseinander. Gemeinsam wurde überlegt, in welchen Bereichen der Bedarf am größten ist und was weitere Module der Qualifizierungsreihe vermitteln könnten. Auf Moodle besteht für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Nachgang die Möglichkeit, sich weiter auszutauschen, kleine Aufgaben zu bearbeiten und weiteres Material einzusehen. In den aktuellen Programmheften der Pilot-Volkshochschulen sind bereits erste, im Projekt erarbeitete Angebote zu finden – weitere sind in Vorbereitung. Alle Beteiligten sind sehr gespannt, welche weiteren neuen Kursangebote noch an den Volkshochschulen zustande kommen.

Engagement wird fortgeführt

Veranstaltungen mit internationalen Kursleitenden bieten der Aufnahmegesellschaft die Möglichkeit der interkulturellen Öffnung und Begegnung. Auch die Eingliederung in die örtliche Gemeinschaft wird unterstützt, indem Kursleitende, Akteure und Teilnehmende aufeinander zugehen und sich besser kennen lernen. Durch die Genehmigung des Folgeantrags wird der Thüringer Volkshochschulverband e.V. das Thema 2018 weiter bearbeiten und damit auch in Zukunft einen Beitrag zur Vielfalt an Thüringer Volkshochschulen leisten. Geplant sind die Fortführung der Qualifizierungsreihe und die Erarbeitung eines Handlungsleitfadens für alle Volkshochschulen. Dieser wird am 20. November 2018 in Erfurt auf einer Fachtagung zum Thema vorgestellt.

Das Projekt „Vom Nebeneinander zum Miteinander“ wird gefördert durch das Thüringer Ministerium für Migration, Justiz und Verbraucherschutz. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter www.vhs-th.de/miteinander

aus: dis.kurs 1/2018 – Das Magazin des Deutschen Volkshochschul-Verbands e.V.