Panorama

Sprachliche Erstorientierung für Geflüchtete

Zweite Netzwerktagung zum Förderprojekt Einstieg Deutsch wertet Erfahrungen aus und fragt nach Transfermöglichkeiten
21.04.2018 Am 11. April fand in Nürnberg die zweite Netzwerktagung zum Förderprojekt „Einstieg Deutsch“ statt. Rund 60 Gäste tauschten sich über ihre Erfahrungen mit der sprachlichen Erstorientierung von Geflüchteten aus. Mit welchen Herausforderungen hatten sie zu kämpfen? Welche Lösungen haben sie gefunden? Welche Faktoren haben zum Erfolg beigetragen? Immer im Blick dabei die Frage, wie sich die Erkenntnisse aus dem Projekt „Einstieg Deutsch“ sinnvoll bei der Planung und Durchführung anderer Deutschkurse für Geflüchtete berücksichtigen lassen.

Einblicke in die Praxis

Netzwerktagung_Einstieg_Deutsch-(7)Am Vormittag berichteten drei der bisher rund 280 Projektpartner aus der praktischen Umsetzung vor Ort. Theo Tretjakov vom Internationalen Bund Südwest Wiesbaden erläuterte insbesondere die Zusammenarbeit von Kursleitung und ehrenamtlichen Lernbegleitern. Klare Absprachen, regelmäßige persönliche Treffen und Hospitationen der Lernbegleiter im Unterricht haben zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit geführt.

Sabine Gröpel von der VHS im Landkreis Cham hatte eine Handpuppe mitgebracht. Sie berichtet davon, wie die Puppe insbesondere bei schüchternen Teilnehmerinnen Sprech-Hemmungen abbaut. Wichtig für die Umsetzung vor Ort sei in großen Landkreisen wie Cham vor allem die gute Vernetzung mit Helferkreisen und Ausländerbehörden, so könne sowohl die Teilnehmerakquise als auch die Rekrutierung von Lernbegleitern und die Suche nach geeigneten Unterrichtsräumen gelingen.
Genau wie ihr ist es auch für den dritten Redner, Philipp Boetzelen vom Institut für Deutsche Sprache Offenburg, wichtig, möglichst für jeden Flüchtling nach „Einstieg Deutsch“ eine Anschlussmaßnahme zu finden. Besondere Herausforderungen ergaben sich in Offenburg durch die Zusammensetzung der Teilnehmer: viele nicht Alphabetisierte mit wenig Bildungserfahrung, die überwiegend noch nie an einem Computer gearbeitet haben. Die ehrenamtlichen Lernbegleiter waren daher eine sehr wichtige Unterstützung. Durch „Einstieg Deutsch“ waren die Teilnehmenden dann jedoch gut auf anschließende Bildungsmaßnahmen vorbereitet.

Evaluation: Einstieg Deutsch zeigt Wirkung

Netzwerktagung_Einstieg_Deutsch-(11)Neben kurzen Einblicken in das neue Ehrenamtsportal  und die interkulturell-didaktische Qualifizierung für Lehrkräfte stand am Vormittag noch ein Bericht über die wissenschaftliche Begleitung und Evaluierung von „Einstieg Deutsch“ auf dem Programm. Jenni Winterhagen und Franziska Lammers von der Beratungsfirma Syspons stellten zentrale Ergebnisse der ersten Erhebungsphase vor: „Einstieg Deutsch“ wurde als innovatives Format bewertet, das den Trägern viel Gestaltungsspielraum bei der Umsetzung des Konzepts lässt.  Es zeige nicht nur Wirkung bei den Teilnehmenden, die an die Sprache und autonomes Lernen herangeführt werden, sondern auch auf Ebene der Kursleitenden. Denn auch für viele von ihnen sei das Projekt ein Einstieg in die Verwendung digitaler Lernmedien im Unterricht.

Aktiver Austausch in Workshops

Netzwerktagung_Einstieg_Deutsch-(12)In der zweiten Hälfte der Veranstaltung stand dann der direkte Austausch im Mittelpunkt. In insgesamt sechs Workshops diskutierten die Teilnehmenden über ihre Erfahrungen und arbeiteten sehr aktiv zu folgenden Themen: Wie kann man Geflüchtete mit wenig Lernerfahrung an autonomes Lernen heranführen? Wie lassen sich digitale Medien sinnvoll in den Unterricht einbinden? Wie kann man die Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Sprachpaten erfolgreich gestalten? Wie verzahnt man Exkursionen gewinnbringend mit dem Unterricht? Wie lassen sich interkulturelle Konflikte deuten? Und Welche Methoden bieten sich zum Umgang mit der heterogenen Lerngruppe an?
Zum Abschluss fanden drei Info-Foren statt: Mitarbeiter des „Einstieg Deutsch“-Teams gaben Hinweise zur Erstellung des Verwendungsnachweises. Lisa Stein von NetHope stellte verschiedene Möglichkeiten zum Einsatz von Chromebooks vor und Inga Opitz präsentierte das neue Online-Lernportal des DVV.
Die Dokumentation der Tagung – Präsentationsfolien aller Vorträge sowie die Zusammenfassungen der Workshops  – finden Sie hier.