Panorama

„Ich will Deutsch lernen“ als erstes digitales Lehrwerk für Integrations­kurse zugelassen

Vier Volkshochschulen sammelten in der Erprobungsphase gute Erfahrungen
© Ole Lentfer07.03.2017: Das Lernportal „Ich will Deutsch lernen“ (iwdl.de) des Deutschen Volkshochschul-Verbandes ist als kurstragendes Lehrwerk im Integrationskurs einsetzbar. Es ist das erste digitale Lehrwerk mit offizieller Zulassung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Dies ist das Ergebnis einer anderthalbjährigen Erprobung von iwdl.de im Integrationskurs an vier Volkshochschulen.
Entwickelt auf Basis des Rahmencurriculums für Integrationskurse, ist das Lernportal iwdl.de schon seit dem Relaunch im Herbst 2013 ein wichtiges digitales Begleitinstrument. Kursleiterinnen und Kursleiter setzen es bisher überwiegend als Zusatzmaterial ein, um den Unterricht mit attraktiven Inhalten anzureichern und das selbstständige Lernen auch außerhalb des Kurses zu unterstützen.

„Eine junge Generation von Lernenden hat ein großes Interesse am Lernen mit digitalen Medien und wenig Scheu vor Computern.“

Anke Mertens,
Programmverantwortliche für den Bereich Integration an der VHS Speyer

Mit der 2015 begonnenen Erprobung als kurstragendes Lehrwerk wollten DVV und BAMF erfahren, inwiefern sich auch über den gesamten Kurszeitraum des allgemeinen Integrationskurses hinweg ein teilnehmerorientierter, methodenvielfältiger und aktivierender Unterricht auf Basis von iwdl.de gestalten lässt. In vier Integrationskursen an der VHS Wedel, der VHS Speyer, der Abendakademie Mannheim und der VHS Bingen sammelten Kursleitende und Lernende in 600 Unterrichtseinheiten umfangreiche Erfahrungen mit dem Online-Lernportal.

Positive Resonanz auf digitales Lernmedium

© Ole Lentfer„Am Anfang hat es schon Arbeit bedeutet, sich auf das digitale Lehrwerk einzustellen“, berichtet Kursleiter Jörg Peters aus Wedel. „Aber nach kurzer Zeit war ich mit dem Portal bestens vertraut. Die Unterrichtsvorbereitung brauchte dann auch nicht mehr Zeit als mit einem Buch als Lehrwerk. Das Anpassen an die Bedürfnisse der Lerngruppe bleibt ja in jedem Fall die Aufgabe des Kursleiters.“ Anke Mertens, Programmverantwortliche für den Bereich Integration an der VHS Speyer, betont, dass das Angebot eines Integrationskurses mit digitalem Lehrwerk von Anfang an auf gute Resonanz bei den Teilnehmenden gestoßen sei. „Eine junge Generation von Lernenden hat ein großes Interesse am Lernen mit digitalen Medien und wenig Scheu vor Computern. Der Kurs war eine Bereicherung für unser Programm. Und für uns als Volkshochschule war es sehr reizvoll, bei diesem Modellversuch dabei zu sein.“
Das Projektteam im DVV stand in Kontakt mit den Standorten, an denen erprobt wurde, und hospitierte ebenso in den Kursen wie Vertreter des BAMF. Aus Sicht des DVV-Teams „Ich will Deutsch lernen“ verlief die Testphase sehr aufschlussreich. So konnten viele wertvolle Erfahrungen gesammelt werden und didaktische Empfehlungen zum Einsatz von iwdl.de im Unterricht entstehen. Parallel zum Austausch über den Unterricht mit iwdl.de entwickelte das Projekt Handreichungen zum Lernportal für Lehrer, die als Unterrichtsmaterialien auf portal-deutsch.de veröffentlicht wurden.

Lernportal erleichtert die Differenzierung

© Ole LentferAn der Abendakademie Mannheim entwickelten die Kursleiterinnen Natalija Bisic und Daniela Götz zahlreiche Ideen, wie der Unterricht durch vielfältige Methoden, Arbeits- und Sozialformen abwechslungsreich gestaltet werden kann. Der Einsatz von iwdl.de als kurstragendes Lehrwerk bedeutet also keineswegs nur Einzelarbeit am Bildschirm. Im Gegenteil, die Lernenden machen begeistert mit. „Mir gefällt die Vielfalt von Übungen. Du kannst Übungen zum Sprechen, Lesen, Hören, Spielen machen. Dadurch wird das Lernen nicht langweilig, sondern lustig“, schrieb eine Teilnehmerin in einem Auswertungsbogen. Ein weiterer Teilnehmer ergänzt: „Mit dem Portal kann man gut Wörter lernen und Grammatik üben. Auch die Hörübungen sind gut. Das Sprechenlernen erfolgt mit dem Lehrer und anderen Schülern im Kurs.“
Besonders gut kommt bei den Lernenden und Kursleitenden die Websoap an, die über 45 Folgen hinweg den gesamten Kurs begleitet und dabei die unterschiedlichen Themen und Lerninhalte einleitet. „Die Geschichte macht Spaß, und die Teilnehmer können sich in den Figuren und den Alltagsszenen wieder erkennen“, sagt Maria José Lafuente López-Seiter, Kursleiterin an der VHS Bingen.

Prüfungsergebnisse lagen über dem Durchschnitt

© Ole LentferAuch die erreichten Lernziele konnten sich in allen Erprobungskursen sehen lassen. Die Prüfungsergebnisse in den vier Kursen waren insgesamt überdurchschnittlich gut, wobei in Wedel sogar 87 Prozent der Teilnehmenden im abschließenden Deutschtest für Zuwanderer (DTZ) das Zielniveau B1 erreichten. Nicht zuletzt wegen der guten Erfolgsquoten ist das Lernportal seit Jahresbeginn 2017 im Integrationskurs unbeschränkt einsetzbar und wird vom BAMF seit 1. März 2017 auf der Liste der zugelassenen kurstragenden Lehrwerke geführt.
Die Probephase kann damit als Erfolg für iwdl.de und für den Einsatz von digitalen Medien im Unterricht insgesamt gewertet werden. „Natürlich bedeutet die Teilnahme an einem solchen Pilotprojekt immer auch ein bisschen Mehrarbeit und zusätzliches Engagement“, erläutert René Nohr, Leiter der VHS Bingen. „Aber es lohnt sich, weil sich unsere Kurse, unsere Kursleiterinnen und auch unsere Volkshochschule mit solchen Projekten weiterentwickeln und wir unser Profil schärfen.“ Auch Anke Mertens betont, dass der Erprobungskurs ein Startschuss für den Einsatz des Portals in weiteren Kursen war: „Derzeit setzen wir iwdl.de in einem Integrationskurs mit Alphabetisierung ein – das klappt wunderbar!“
aus: dis.kurs 1/2017 – Das Magazin des Deutschen Volkshochschul-Verbands e.V.