Panorama

Gut vorbereitet für den Deutschunterricht mit Geflüchteten

20.04.2017: Im Seminarraum der VHS Erfurt sitzen 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und schauen sich verzweifelt an: Wie hieß jetzt nochmal das hebräische Wort für „Guten Morgen“ und was hat die Dozentin eigentlich eben von ihnen gewollt? „Was hat sie gesagt? Sollen wir nochmal die Begrüßung üben?“ fragt einer seine Nachbarin. Die zuckt nur mit den Schultern.
© VHS-Landesverband Thüringen
Bildnachweis: So erweitert man den Wortschatz spielerisch: Im Spiel „Tabu“ müssen Begriffe umschrieben werden (Foto: VHS-Landesverband Thüringen)
So erweitert man den Wortschatz spielerisch: Im Spiel „Tabu“ müssen Begriffe umschrieben werden (Foto: VHS-Landesverband Thüringen)

Die 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der vhs Lehrkräftequalifizierung Deutsch machen den Selbstversuch: Wie fühlt es sich eigentlich an, wenn man so gut wie kein Wort der Lehrkraft versteht? Wie erlangt man die Sicherheit, dass man richtig verstanden hat und welches Feedback motiviert zum Weiterlernen?

„Diese Übung hat uns alle besonders beeindruckt“, sagt Michaela Kühl, die eigentlich den Workshop leitet, bei dieser Übung aber selbst Teilnehmerin war. „Da spürt man, wie es den Lernenden im eigenen Deutschkurs geht!“.

Im September 2016 startete die vhs Lehrkräftequalifizierung Deutsch bundesweit. Die Teilnehmenden erarbeiten sich eine Grundlage für den Unterricht von Deutsch als Zweitsprache (DaZ). Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Unterricht für die Stufen A1 bis B1 des gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens (GER).

Zusammen mit den Landesverbänden der Volkshochschulen und der telc gGmbH hat der Deutsche Volkshochschul-Verband (DVV) diese Qualifizierung entwickelt. Sie wird im Rahmen des Projekts „Einstieg Deutsch“  vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Jährlich können so 400 Lehrende kostenfrei ausgebildet werden. In 2016 hat bereits die erste Gruppe aus Schleswig-Holstein ihr vom Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge (BAMF) anerkanntes Zertifikat erhalten.

Nahezu in jedem Bundesland wird die Lehrkräftequalifizierung inzwischen angeboten und die Nachfrage ist groß. Nicht nur für das Projekt „Einstieg Deutsch“ werden dringend Lehrende gebraucht, auch die Anbieter anderer Sprachangebote für Geflüchtete sind froh, durch die Qualifizierung Lehrkräfte gewinnen zu können.

Die Inhalte sind praxis- und handlungsorientiert, zusätzlich erarbeiten sich die Teilnehmenden fundiertes theoretisches Wissen. So stehen ganz praktische Ansätze, wie Fertigkeitentraining oder der Sinn und Unsinn von Korrekturen im Unterricht, neben notwendigen theoretischen Grundlagen für den DaF/DaZ-Unterricht. Dazu gehören natürlich der GER mit seinen Sprachniveaustufen, Phonetik und Unterrichtsplanung mit sinnvollen Unterrichtsphasen und Sozialformen. Weiterführende Themen sind Deutsch für den Beruf, die Auseinandersetzung mit der Zielgruppe der jugendlichen Geflüchteten und interkulturelle Kompetenz.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ersten „VHS Lehrkräftequalifizierung Deutsch“ des Landesverbands Rheinland-Pfalz
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ersten „VHS Lehrkräftequalifizierung Deutsch“ des Landesverbands Rheinland-Pfalz
Die Teilnehmenden der Workshops spielen und bewegen sich. Sie erschließen sich neues Wissen in Einzel- und Gruppenarbeit. Dabei lernen sie nicht nur sehr viel Theorie, sondern auch neue Methoden, indem sie diese selbst ausprobieren.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bringen oft schon reichlich Praxiserfahrung mit und damit auch Fragen, die im Rahmen einer kollegialen Beratung geklärt werden. Was nicht in einem der zwölf Workshops besprochen werden kann, wird online in der Lerngruppe nachgefragt. Im Lernmanagementsystem www.dvv-fobi.de tauschen sie sich aus, stellen Fragen zu schwierigen Situationen im Kurs oder geben sich gegenseitig Tipps. Daraus entstehen hilfreiche Sammlungen für Methoden und Arbeitsformen.

Im ersten Quartal 2017 haben bundesweit fast 100 Lehrkräfte die vhs Lehrkräftequalifizierung Deutsch erfolgreich bestanden – und weitere 100 sind schon mittendrin.

Auskunft zur kostenfreien Qualifizierung geben die Landesverbände der Volkshochschulen in den Bundesländern. Auch die telc gGmbH bietet diese Qualifizierung zu ihren Konditionen an. Alle Inhalte werden auf der Website der telc gGmbH beschrieben.