Panorama

Erste Netzwerktagung zum Förderprojekt „Einstieg Deutsch“

Erfahrungsaustausch über sprachliche Erstförderung für Geflüchtete
06.12.2017: Am 23. November 2017 fand in Bonn das erste Treffen der Bildungsträger statt, die sich am bundesweiten Projekt „Einstieg Deutsch“ beteiligen. Rund hundert Gäste trafen sich im Universitätsclub, um sich über ihre Erfahrungen mit der sprachlichen Erstförderung von Geflüchteten und die Umsetzung von „Einstieg Deutsch“-Lernangeboten auszutauschen.
Mehr als 260 gemeinnützige Einrichtungen aus ganz Deutschland sind bereits Partner des Projekts „Einstieg Deutsch“. Sie führen niedrigschwellige Sprachlernangebote für Geflüchtete nach einem Konzept durch, das der Deutsche Volkshochschul-Verband (DVV) entwickelt hat, und erhalten dafür Fördermittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Gemeinsam ist allen Lernangeboten, dass sie einen Blended-Learning-Ansatz verfolgen, also klassischen Präsenzunterricht mit Online-Lernen verbinden.
Dementsprechend lag am Vormittag der Fokus der Veranstaltung auf dem Einsatz digitaler Lernmedien im DaF-Unterricht für Geflüchtete. Nachdem Thomas Bartelt (BMBF) und die Stellvertretende Direktorin des DVV, Gundula Frieling, die Veranstaltung eröffnet hatten, warf Christine Becker in ihrem Vortrag einen wissenschaftlichen Blick auf das Thema. Becker unterrichtet an der Universität Stockholm Deutsch als Fremdsprache und forscht zum Einsatz von digitalen Lernmedien im Fremdsprachenunterricht. „Blended-Learning verknüpft die Vorzüge des Präsenzlernens mit denen des Online-Lernen“, betonte sie. Wie bei einem Marmorkuchen würden zwei allein schon gute Dinge vermischt, „um etwas noch Besseres entstehen zu lassen“. Die soziale Komponente des Präsenzunterrichts werde ergänzt um die Vorteile, die das Online-Lernen bietet, nämlich in eigenem Tempo voranschreiten und Übungen beliebig oft wiederholen zu können. Becker behandelte unter anderem die Frage, wie digitale Medien sinnvoll in den Unterricht eingebunden werden und gab praktische Beispiele zum Einsatz der App „Einstieg Deutsch“ aber auch anderer Anwendungen wie WhatsApp. Wichtig für eine sinnvolle Verzahnung sei immer, dass geschlossene Übungen Teil einer größeren Unterrichtseinheit sind, die auf das selbstständige, freie Anwenden zielen. Gleichzeitig hob sie hervor, wie bedeutend es sei, den Bezug zur Lebenswelt der Teilnehmenden herzustellen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich über sich selbst zu äußern.
Im anschließenden Podiumsgespräch gaben Michael Friedrich von der VHS Böblingen-Sindelfingen und Galina Plininger von der VHS Ludwigshafen Einblicke in die praktische Umsetzung des Blended-Learning-Ansatzes in ihren „Einstieg Deutsch“-Angeboten. Geduld im Umgang mit der sehr heterogenen Zielgruppe, Offenheit aller Beteiligten für die digitalen Medien und motivierte Lehrkräfte, die von der Sinnhaftigkeit des digitalen Lernens überzeugt sind, wurden als entscheidende Faktoren für das Gelingen herausgestellt. Dann hätten die Teilnehmenden Spaß am Unterricht und würden zunehmend selbständiger und selbstbewusster im Umgang mit den Medien.
Nach einer Fragerunde zur Administration des Projekts – von der Antragstellung bis zur Abrechnung – stand am Nachmittag der direkte Austausch im Zentrum. In drei Workshops berichteten sich die Teilnehmenden gegenseitig von ihren Erfahrungen in der Durchführung der Lernangebote und erarbeiteten gemeinsam Ideen zu folgenden Fragestellungen: Welche Methoden bieten sich zum Umgang mit der heterogenen Zielgruppe an? Welche Einsatzmöglichkeiten für die digitalen Lernmedien haben sich bewährt und welche Rahmenbedingungen erleichtern den Einsatz? Wie lässt sich die Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Lernbegleitern sinnvoll gestalten?
Die Dokumentation der Tagung – Präsentationsfolien aller Vorträge sowie die Zusammenfassungen der Workshops und des Podiumsgesprächs – finden Sie hier.