Panorama

Einstieg in die deutsche Sprache für Geflüchtete

Klassischer Sprachunterricht in Kombination mit neuen Medien sowie ehrenamtliche Lernpaten kennzeichnen das bundesweite Förderprojekt „Einstieg Deutsch“. Wie wird das Konzept in der Praxis umgesetzt? Wir haben bei vier Volkshochschulen nachgefragt.

Sanfter Einstieg für Analphabeten

„Einstieg Deutsch“ macht Geflüchtete fit für den Integrationskurs, wie hier an der VHS im Landkreis Cham
Bildnachweis: „Einstieg Deutsch“ macht Geflüchtete fit für den Integrationskurs, wie hier an der VHS im Landkreis Cham
„Einstieg Deutsch“ macht Geflüchtete fit für den Integrationskurs, wie hier an der VHS im Landkreis Cham.

08.03.2018: Als wir 2016 die ersten beiden „Einstieg Deutsch“-Lernangebote durchgeführt haben, gab es noch keine Sonderkonditionen für Analphabeten. Wir waren dann sehr froh, als für Geflüchtete, die nicht lesen und schreiben können, der Stundenumfang erhöht wurde. Wir setzen in der Regel ein Alpha-Lehrwerk und ein kurzes Einstiegslehrwerk ein. Zudem besorgen wir Hefte für Erstklässler mit Schreiblernlinien, Bleistifte, Spitzer und Schnellhefter. Viele unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind lernungewohnt, wissen nicht, wie sie sich selbst und ihre Unterlagen organisieren. Für sie ist „Einstieg Deutsch“ eine gute Vorbereitung für den Integrationskurs. Sie werden an das Lernen und an die Sprache herangeführt. Sie würden sonst bei der Geschwindigkeit der Integrationskurse scheitern.

Der Landkreis Cham ist einer der größten in Bayern und viele Flüchtlinge sind in kleinen Gemeinden untergebracht. Die Entfernungen sind zu groß, um alle nach Cham fahren zu lassen, daher führen wir die Kurse vor Ort durch – in Tiefenstein zum Beispiel in einem Raum der Feuerwehr, den uns der Bürgermeister vermittelt hat. Zum Teil gibt es keine Busverbindung, so dass wir einen Busunternehmer engagiert haben, der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer morgens bringt und nachmittags zurück fährt. Das lässt sich über die Fahrtkostenpausschale abrechnen. Da vor Ort die technische Ausstattung nicht vorhanden ist, fahren wir die Geflüchteten an einigen Tagen zudem nach Cham, wo sie im EDV-Raum die Lernplattform kennenlernen und sich die App auf ihr Smartphone herunterladen. Da diese ja offline funktioniert, können sie danach an den dezentralen Lernorten und zuhause damit weiter arbeiten.
Sabine Gröpel, stellv. Geschäftsführerin und Leiterin des Programmbereichs Sprachen an der Volkshochschule im Landkreis Cham

Unterricht in einer Flüchtlingsunterkunft

Digitale Medien helfen bei der Binnendifferenzierung in einer Flüchtlingsunterkunft im Landkreis Hof.
Bildnachweis: Digitale Medien helfen bei der Binnendifferenzierung in einer Flüchtlingsunterkunft im Landkreis Hof.
Digitale Medien helfen bei der Binnendifferenzierung in einer Flüchtlingsunterkunft im Landkreis Hof.

Wir sind im Landkreis sehr gut vernetzt mit den Helferkreisen und den Asylsozialarbeitern, so dass die Informationen zum Bedarf an Einstiegskursen schnell und zuverlässig fließen. Oft melden sich die Helferkreise bei uns. So jetzt auch aus Naila. Dort wurde im Flüchtlingsheim ein großer Bedarf festgestellt. Da die Bedingungen vor Ort passten, haben wir uns entschieden, „Einstieg Deutsch“ direkt in der Unterkunft durchzuführen. Es gab einen Raum mit Tischen und Stühlen und WLAN. Insbesondere das WLAN ist oft der Knackpunkt. Wir haben dann noch eine Tafel und einen Beamer mitgebracht und setzen die Chromebooks ein, die wir vom DVV bekommen haben. Es leben in der Unterkunft viele Familien mit kleinen Kindern und auch eine behinderte Person. Für diese Menschen ist es viel leichter teilzunehmen, wenn sie nicht die Anreise nach Hof auf sich nehmen müssen. Den entscheidenden Vorteil von „Einstieg Deutsch“ sehe ich darin, dass wir sehr schnell und flexibel auf den Bedarf vor Ort reagieren können. Gut ist auch, dass wir Geflüchtete fördern können, die sonst keinen Zugang zu Deutschunterricht hätten.
Andreas Wickleder, Pädagogischer Mitarbeiter für Integrationsprojekte, Volkshochschule Landkreis Hof

Lernpaten als wertvolle Unterstützung

Das Konzept von „Einstieg Deutsch“ hat uns unter anderem wegen der Lernbegleiter überzeugt. Da die Lerngruppen sehr heterogen sind, sind wir sehr froh, die Lernbegleiter im Unterricht dazu nehmen zu können. Das ist eine große Hilfe bei der Binnendifferenzierung. In den Phasen des vertiefenden Lernens unterstützen sie zudem die Geflüchteten beim individuellen Lernen und setzen dabei vor allem die App „Einstieg Deutsch“ ein. Wir haben diese bewusst auf die persönlichen Geräte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer geladen. Auch bei den Exkursionen sind die Lernpaten dabei. Die Ausflüge tragen ungemein dazu bei, das Wir-Gefühl in der Gruppe zu stärken, bieten eine gute Gelegenheit, sich vor Ort in Alltagssituationen auszuprobieren und den Unterricht noch stärker an den Alltag anzubinden. Wir gehen zum Beispiel zum Bahnhof, kaufen Fahrkarten, fahren Bus, bestellen im Café oder gehen ins Kino. Die Lernbegleiter sind eine große Unterstützung und es ist gut, dass für sie eine Aufwandsentschädigung im Fördertopf vorgesehen ist. Durch die Helferkreise und die Strukturen vor Ort, war es für uns zudem leicht, engagierte Helferinnen und Helfer zu finden.
Eva Licciardello, Leiterin der Volkshochschule Kaufering

Raus aus der Unterkunft – rein in die VHS

Wir haben bisher fünf „Einstieg Deutsch“-Maßnahmen durchgeführt. Alle bei uns zentral in den Räumlichkeiten der VHS. Denn ich finde es wichtig, dass die Menschen aus ihren Unterkünften herauskommen und einen Bezugspunkt außerhalb haben. Wir sind aus dem Umland gut erreichbar und durch das Fahrgeld, das in den Fördermitteln enthalten ist, ist die Anreise für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer finanzierbar. Außerdem haben wir moderne Räume mit guter Medienausstattung. Die Geflüchteten in solchen Räumen zu unterrichten ist auch eine Form der Wertschätzung. Da wir nicht als Integrationskursträger zugelassen sind, haben wir überlegt, was wir tun können, um unseren Beitrag zu leisten, da kam „Einstieg Deutsch“ genau richtig, insbesondere weil es so niedrigschwellig ansetzt. Viele unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben nur wenig Schulbildung, etwa ein Drittel nimmt zum ersten Mal im Leben an geregeltem Unterricht teil.
Barbara Genzken-Schindler, Geschäftsführung der Volkshochschule Schwandorf