Panorama

Deutschunterricht im Team

An der Volkshochschule Lahr arbeiten eine Dozentin und zwei ehrenamtliche Lernbegleiterinnen erfolgreich zusammen. Das ermöglicht Binnendifferenzierung und individuelle Förderung.
19.09.2018: Freitagvormittag, 8.00 Uhr, in der Volkshochschule Lahr. Drei Frauen entwirren Kabel, stellen Laptops auf Tische, stöpseln Kopfhörer ein, kontrollieren Akkuladung und Internetverbindung. Sie bereiten allerdings keinen EDV-Kurs vor, sondern treffen Vorbereitungen für „Einstieg Deutsch“, ein Sprachangebot für Geflüchtete.
© vhs LahrEinmal pro Woche lernen die Teilnehmenden nicht mit Buch und Tafel, sondern mit einem Online-Lernprogramm. Dann ist Gabriele Bodri, die Dozentin, nicht allein im Unterricht, sondern wird von zwei Lernbegleiterinnen unterstützt. Die beiden Frauen, die sich ehrenamtlich engagieren, sind aus ihrer Heimat dem Libanon geflüchtet. Allerdings schon vor mehr als 20 Jahren. Nun sprechen sie perfekt Deutsch und helfen den neu angekommen Flüchtlingen beim Erlernen der Sprache und beim Umgang mit dem Computer.
Langsam trudeln auch die Teilnehmenden ein. Insgesamt sind es 12 Geflüchtete – eine bunt gemischte Gruppe mit Menschen aus Nigeria, Afghanistan und dem Irak, Männer und Frauen unterschiedlichen Alters und mit ganz unterschiedlichen Lernerfahrungen. Zwei von ihnen müssen erst noch die lateinische Schrift lernen.

Erprobte Zusammenarbeit im Dreiergespann

© vhs LahrDie Dozentin und die beiden Lernbegleiterinnen sind ein eingespieltes Team. Sie arbeiten bereits seit knapp zwei Jahren in der gleichen Konstellation zusammen und begleiten aktuell das fünfte Einstieg Deutsch-Lernangebot. Von der kontinuierlichen Zusammenarbeit profitieren auch die Teilnehmenden. „Von Mal zu Mal haben wir die Qualität der Lernangebote steigen können. Wir haben verschiedene Formate ausprobiert und jetzt die für uns ideale Form der Zusammenarbeit gefunden“, freut sich Gabriele Bodri.

Die Arbeitsteilung sieht so aus: Es gibt zwei reine Unterrichtstage, an denen die Lehrkraft ganz klassisch mit Buch und Arbeitsblättern unterrichtet. Zweimal pro Woche kommen nach dem Unterricht zusätzlich die beiden Lernbegleiterinnen in die vhs und übernehmen dann die Gruppe. Sie helfen bei den Hausaufgaben, üben und vertiefen, was im Unterricht eingeführt wurde. Außerdem kümmern sie sich um Einzelne, die noch besondere Förderung benötigen. Freitags ist schließlich Computertag. Dann sind fünf Stunden lang alle drei Frauen gleichzeitig im Einsatz.
Das ist auch nötig, denn die Vorkenntnisse der Teilnehmenden liegen ganz weit auseinander – was das Erlernen von Fremdsprachen und die Erfahrungen mit Computern betrifft. „Es ist viel individuelle Betreuung notwendig. Die beiden Lernbegleiterinnen sind daher sehr wichtig“, betont Bodri. Durch sie könne ausreichend Unterstützung für alle Teilnehmenden gewährleistet werden sowie eine längere Einzelbetreuung schwächerer Teilnehmender.

Heterogene Gruppe erfordert Binnendifferenzierung und Einzelbetreuung

© vhs LahrBei der individuellen Förderung hilft auch das Lernportal. Die Gruppe arbeitet mit dem A1-Deutschkurs des DVV. Zu Beginn des Kurses legt Gabriele Bodri pro forma E-Mailadressen und Profile für alle Teilnehmenden an. Sie verwaltet die Liste mit Adressen und Passwörtern, sodass die Teilnehmenden bei Bedarf ihre Log-In-Daten erfragen können. Auf diese Weise kommt es nicht zu Verzögerungen, wenn Teilnehmende ihre E-Mailadressen oder Passwörter vergessen. „Die Erfahrung mussten wir aber auch im ersten Kurs erst einmal machen“, meint Bodri lachend.

Durch die individuellen Profile der Teilnehmenden kann sie ihren Schülern Aufgaben bedarfsorientiert zuweisen. Zudem beobachtet sie an ihrem Arbeitsplatz den Fortschritt der Einzelnen beim selbstständigen Lösen der Aufgaben und kann so Unterstützungsbedarf identifizieren und die Lernbegleiterinnen darauf hinweisen.
Insbesondere bei den ersten Computerstunden ist viel Anleitung nötig. Denn die meisten Teilnehmenden haben noch nie an einem Laptop gearbeitet. Für sie ist schon das Bedienen eines Touchpads eine große motorische Herausforderung. Dennoch seien alle offen und neugierig im Umgang mit der Technik, meint Bodri, überraschenderweise auch gerade die Teilnehmenden mit den geringsten Vorkenntnissen.
Die Fortschritte bei ihnen seien gewaltig „Obwohl das Alphabet noch nicht richtig sitzt, die Buchstaben auf der Tastatur mühevoll gesucht werden müssen, die Großschreibetaste nicht bekannt ist und auch ein Touchpad noch nie vorher berührt wurde, ist der gefühlte Erfolg enorm und geht deutlich über die Lösung der Aufgaben hinaus“, begeistert sich die Lehrerin. „Denn diese Technik ist aus unserer Kultur nicht mehr wegzudenken.“