Panorama

Deutsch lernen auf der Straße

Beim bundesweiten Projekt „Einstieg Deutsch“ können zusätzlich zum Unterricht bis zu sechs Exkursionen stattfinden. Sie sollen Orientierung geben und alltagsnahe Kommunikationssituationen eröffnen.
© DVV08.09.2018: „Entschuldigung, wo ist die Friedrichstraße?“ Sewud spricht einen Passanten an.

Dieser muss zwar erst auf seinem Smartphone nachschauen, erklärt dann aber: „geradeaus, an der Ampel rechts und über die Straße“. Sewud hat alles verstanden, bedankt sich und macht seinen vierzehn Mitschülern Zeichen, ihm zu folgen.

Heute, an einem sonnigen Tag im Juli, findet der Unterricht des „Einstieg Deutsch“-Kurses, den das Grone Bildungszentrum in Brühl anbietet, außerhalb des Klassenzimmers statt. Die Gruppe mit fünfzehn Geflüchteten ist auf dem Weg zum örtlichen Schloss, wo sie eine Führung in einfacher Sprache bekommen werden.

Sprechen und Hörverstehen in realen Situationen

© DVVDen Weg zum Schloss nutzt Danja Beilmann, ihre Dozentin, für ganz praktische Sprachübungen. Vor dem Start hat sie den Teilnehmenden je einen Zettel in die Hand gedrückt, mit Orten, zu denen sie sich durchfragen müssen. Zuvor haben sie im Unterricht das Thema „nach dem Weg fragen“ und Präpositionen behandelt. „Jetzt sollen sie sich trauen, auf andere zuzugehen und das Gelernte auch im Alltag anzuwenden“, erläutert Beilmann. Ob es grammatikalisch richtig ist, ist dabei zweitrangig, Hauptsache die Verständigung klappt. An der Friedrichstraße angelangt, übergibt Sewud die Führung seiner Mitschülerin, die mutig Passanten anspricht und dann der Gruppe den Weg weist.
Die Stimmung unterwegs ist fröhlich; alle lachen, machen Fotos und reden – auch auf Deutsch – mit denjenigen, die eine andere Muttersprache sprechen, mit ihrer Lehrerin und mit Ania Stachlewitz. Die Studentin betreut als ehrenamtliche Lernbegleiterin den Kurs.
© DVVAm Schloss angelangt, ist als letzte Mubaraka dran. Sie soll herausfinden, wo man Eintrittskarten kaufen kann. Die Mittvierzigerin zupft ihr Kopftuch zurecht und geht entschlossen auf den Gärtner zu. Man sieht die beiden reden und gestikulieren, kurz darauf marschiert sie los und führt die Gruppe zum Ticketschalter.

Einfache Sprache und Pantomime helfen beim Verständnis

© DVVIm Schloss selbst zeugen viele „Ahs“ und „Ohs“ von der Faszination und Begeisterung der Teilnehmenden ob des Prunks, der Goldverzierungen und der Deckenmalerei. Zwar verstehen sie nicht alles, was die junge Dame bei der Schloss-Führung erklärt. Aber die Dozentin Danja Beilmann und ehrenamtliche Helferin Ania Stachlewitz geben die wichtigsten Dinge in einfacher Sprache wieder. Sie erläutern einzelne Begriffe wie „Diener“ oder „Kutsche“ mit Wortschatz, den die Teilnehmenden schon kennen, und mithilfe von Pantomime. Außerdem ermutigen sie die Teilnehmenden auf Fragen der Schlossführerin zu antworten und selbst auch Fragen zu stellen.
Im Unterricht wird Danja Beilmann die Exkursion noch einmal aufgreifen, mithilfe von Fotos und Texten, die sie in leicht verständliches Deutsch bringen wird. Als nächste Exkursion steht noch eine Stadtrallye an und eventuell ein gemeinsames Grillfest, zu dem die Dozentin auch Nachbarn einladen möchte. Denn ihre Schüler „sollen möglichst viel Gelegenheit haben, sich in realen Gesprächssituationen auszuprobieren“. Die Ausflüge motivierten die Teilnehmenden und machten sie selbstbewusster im Umgang mit Muttersprachlern.